Das Grundsystem der Umsatzsteuer in Österreich


Was unterliegt der Umsatzsteuer? Wer muss Umsatzsteuer in Rechnung stellen? 
Steuerpflicht

Welche Steuersätze gibt es und auf welche Leistungen werden sie angewandt? 
Höhe der Umsatzsteuer

Was ist die Vorsteuer, wie funktioniert der Vorsteuerabzug? 
Vorsteuerabzug

Wer ist Kleinunternehmer, was ist die Regelbesteuerung und wann macht sie Sinn? 
Kleinunternehmer-Regelung & Regelbesteuerungsantrag

Wozu dient die UID-Nummer und wie erhalte ich sie? 
UID-Nummer

Wie und wann melde ich meine Umsätze an das Finanzamt?
Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Umsatzsteuererklärung

Was muss eine Rechnung enthalten, damit sie zum Vorsteuerabzug berechtigt? 
Ordnungsgemäße Rechnung

Steuerpflicht

Was unterliegt der Umsatzsteuer? Wer muss Umsatzsteuer in Rechnung stellen?

Laut österreichischem Steuerrecht müssen UnternehmerInnen für alle Lieferungen und Leistungen, die sie im Inland gegen Entgelt im Rahmen ihres Unternehmens erbringen, Umsatzsteuer (USt) entrichten.

Kunstschaffende, die selbstständig tätig sind und Honorare in Rechnung stellen, gelten als UnternehmerInnen und sind somit grundsätzlich auch umsatzsteuerpflichtig.

Höhe der Umsatzsteuer

Welche Steuersätze gibt es und auf welche Leistungen werden sie angewandt?

Der Normalsteuersatz beträgt in Österreich 20 %.
Daneben gibt es einen begünstigten Steuersatz in Höhe von 10 %, der u.a. für Lebensmittel, Mieten und Bücher zur Anwendung kommt.Gemeinnützige Vereine dürfen ebenfalls den begünstigten Steuersatz von 10 % anwenden.
Ab 1.1.2016 beträgt der Umsatzsteuersatz für künstlerische Tätigkeiten 13 % (zuvor 10 %).
Wichtig ist hier zu beachten, dass KünstlerInnen nicht automatisch immer 13 % Ust verrechnen dürfen, sondern je nach Art ihrer Tätigkeit verschiedene Steuersätze zur Anwendung kommen können.

Beispiel

Eine Choreografin schreibt eine Honorarnote für eine Choreografie, die sie verfasst hat. Da es sich um eine künstlerische Leistung handelt, kann sie 13 % USt in Rechnung stellen.

Daneben gibt sie einmal wöchentlich Tanzunterricht in einem Tanzstudio. Da Unterrichtstätigkeit nicht als künstlerische Leistung zu werten ist, muss sie hier 20 % USt verrechnen.

Vorsteuerabzug

Was ist die Vorsteuer, wie funktioniert der Vorsteuerabzug?

Da die Umsatzsteuer in ihrem Wesen darauf abzielt, nur den oder die EndverbraucherIn zu belasten, besteht für UnternehmerInnen die Möglichkeit, jene Umsatzsteuer, die sie von anderen Unternehmen in Rechnung gestellt bekommen haben, als sogenannte „Vorsteuer“ vom Finanzamt rückvergütet zu bekommen.

Das heißt, wenn UnternehmerInnen Waren oder Dienstleistungen einkaufen, müssen sie zwar beim Kauf die Umsatzsteuer zahlen, im Zuge ihrer Umsatzsteuermeldung an das Finanzamt können sie aber die von ihnen bezahlten Vorsteuerbeträge mit den Umsatzsteuerbeträgen, die sie für ihre eigenen Leistungen abführen müssen, gegenrechnen. Je nachdem, ob die geschuldete Umsatzsteuer oder die abziehbare Vorsteuer höher ist, ergibt sich entweder eine Lastschrift oder eine Gutschrift.

Der Vorsteuerabzug gebührt aber nur für Einkäufe, die UnternehmerInnen für ihre betrieblichen Zwecke tätigen. Kauft eine umsatzsteuerpflichtige Malerin beispielsweise einen Arbeitstisch für ihr Atelier, kann sie die darin enthaltene Vorsteuer geltend machen. Kauft sie einen Esstisch für ihre Privatwohnung, ist ein Vorsteuerabzug nicht möglich.

Beispiel für die Berechnung der Vorsteuer

Ein Musiker hat im Monat Jänner einen Auftritt, für den sein Honorar 500 Euro beträgt. Aus unterrichtender Tätigkeit hat er in diesem Monat 800 Euro netto eingenommen:

Honorar Auftritt€ 500
13 % USt
€  65
Gesamt€ 565
Honorar Unterricht                                € 800
20 % USt€ 160
Gesamt€ 960

Seine Ausgaben im Jänner betragen:

Miete für sein Studio:

Nettomiete€ 400
+ 10 % Ust
€ 40
Gesamt€ 440
Honorar für Werbegrafiker€ 300
+ 20 % USt
€  60
Gesamt€ 360
Druckkosten für einen Folders               € 80
+ 20% USt€ 16
Gesamt€ 96

Die Berechnung für das Finanzamt ergibt:

Geschuldete Umsatzsteuer: (65 + 160)€ 225
Anrechenbare Vorsteuer: (40 + 60 + 16)€ 116
Umsatzsteuer-Zahllast€ 109

Kleinunternehmer-Regelung & Regelbesteuerungsantrag

Wer ist KleinunternehmerIn, wann macht die Regelbesteuerung Sinn?

Liegt der jährliche Netto-Umsatz eines Unternehmers, einer Unternehmerin unter 30.000 Euro pro Jahr, gilt die so genannte Kleinunternehmerregelung (§ 6 (1) 27 UstG), die besagt, dass keine Umsatzsteuer in Rechnung gestellt werden muss. Im Gegenzug kann auch kein Vorsteuerabzug für die betrieblichen Ausgaben geltend gemacht werden (sogenannte unechte Umsatzsteuerbefreiung). KleinunternehmerInnen müssen auf ihren Honorarnoten einen diesbezüglichen Vermerk anbringen, z.B. „Gemäß § 6 (1) 27 UstG enthält dieser Betrag keine Umsatzsteuer“.
Für die Grenze von 30.000 Euro Jahresumsatz gibt es einen Toleranzspielraum: Sie darf einmal in fünf Jahren um höchstens 15 % überschritten werden (Umsatz 34.500 Euro netto).

Regelbesteuerung
Da KleinunternehmerInnen von der Umsatzsteuer befreit sind haben sie auch kein Recht auf Vorsteuerabzug. Es besteht allerdings die Möglichkeit, sich mittels so genanntem Regelbesteuerungsantrag freiwillig für die Umsatzsteuerpflicht zu entscheiden und dadurch auch das Recht zum Vorsteuerabzug zu erlangen.
Hat man sich für die freiwillige Umsatzsteuerpflicht entschieden, ist man fünf Jahre daran gebunden. Erst nach Ablauf dieser Frist kann die Steuerbefreiung für KleinunternehmerInnen wieder in Anspruch genommen werden. Dafür muss der Regelbesteuerungsantrag explizit widerrufen werden. Der Widerruf ist nur bis Ende Jänner des Jahres, für das er gelten soll, möglich!

UID-Nummer

Wozu dient die UID-Nummer und wie erhalte ich sie?

UnternehmerInnen, die umsatzsteuerpflichtig sind, erhalten vom Finanzamt eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (UID-Nummer) zugeteilt. Durch die Angabe der UID-Nummer weist sich eine Unternehmerin, ein Unternehmer also gegenüber GeschäftspartnerInnen als umsatzsteuerpflichtig aus. Bedeutung hat dies vor allem, wenn grenzüberschreitende Lieferungen oder Leistungen zu anderen Unternehmen im EU-Bereich getätigt werden. Durch die Angabe der UID-Nummer wird dem oder der ausländischen (EU-)GeschäftspartnerIn angezeigt, dass es sich um ein Geschäft zwischen UnternehmerInnen handelt. (Mehr dazu siehe Kapitel Umsatzsteuer bei Auslandsgeschäften).

KleinunternehmerInnen haben in der Regel keine UID-Nummer, müssen sich aber eine erteilen lassen, wenn sie diese für Geschäftsbeziehungen mit UnternehmerInnen in anderen EU-Staaten benötigen.

Die UID-Nummer wird von dem für die Erhebung der Umsatzsteuer zuständigen Finanzamt (also Wohnsitz- oder Betriebsfinanzamt) erteilt. Wird die UID-Nummer vom zuständigen Finanzamt nicht bereits bei Aufnahme der Tätigkeit von Amts wegen erteilt, ist sie mittels Formular U15 - Umsatzsteuer-Identifikationsnummer – Antrag auf Vergabe zu beantragen.

Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Umsatzsteuererklärung

Wann, wie und wo muss ich sie abgeben?

Umsatzsteuervoranmeldung
Je nachdem, wie hoch der Vorjahresumsatz gewesen ist, muss entweder monatlich oder quartalsweise eine Umsatzsteuer-Voranmeldung (UVA) an das Finanzamt übermittelt werden.

Bei einem Vorjahresumsatz bis 100.000 Euro ist die Umsatzsteuer-Voranmeldung vierteljährlich zu machen, die Zahlung muss jeweils bis zu bestimmten Stichtagen erfolgen, und zwar: 15. Mai für den Zeitraum Jänner bis März, 16. August für den Zeitraum April bis Juni, 15. November für den Zeitraum Juli bis September und 15. Februar für den Zeitraum Oktober bis Dezember. Alternativ kann die Umsatzsteuer-Voranmeldung auch bei einem Vorjahresumsatz von höchstens 100.000 Euro monatlich gemacht werden.

Lag der Vorjahresumsatz über 100.000 Euro, muss die UVA jedenfalls monatlich gemacht werden, die Zahlung muss in diesem Fall bis 15. des zweitfolgenden Monats erfolgen, also beispielsweise ist die Umsatzsteuer für Jänner bis spätestens 15. März zu melden und einzuzahlen.

KleinunternehmerInnen – selbst wenn sie Regelbesteuerung beantragt haben – müssen keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben.

Umsatzsteuererklärung
Die Umsatzsteuer-Erklärung muss bis spätestens 30. April des Folgejahres (30. Juni mit FinanzOnline) beim zuständigen Finanzamt abgegeben werden.

Umsatzsteuerbefreite KleinunternehmerInnen müssen grundsätzlich keine Jahresumsatzsteuererklärung abgeben. Nur dann, wenn im Kalenderjahr Umsatzsteuer zu zahlen war (z.B. wegen steuerpflichtiger innergemeinschaftlicher Erwerbe muss auch eine Jahresumsatzsteuererklärung abgegeben werden

Ordnungsgemäße Rechnung

Was muss eine Rechnung enthalten, damit sie zum Vorsteuerabzug berechtigt?

UnternehmerInnen sind verpflichtet, über ihre Lieferungen und Leistungen eine Rechnung auszustellen. Damit der oder die RechnungsempfängerIn die Berechtigung zum Vorsteuerabzug hat, muss eine Rechnung oder Honorarnote folgende Angaben enthalten:

  • Name und Anschrift der Leistungserbringerin, des Leistungserbringers
  • Name und Anschrift der Leistungsempfängerin, des Leistungsempfängers
  • Art und Umfang der Leistung bzw. Menge und Bezeichnung der gelieferten Gegenstände
  • Tag der Leistung bzw. Zeitraum, über den sich die Erbringung der Leistung erstreckt
  • Entgelt bzw. Honorar (=Nettobetrag) 
  • Steuersatz und Steuerbetrag 
  • Ausstelldatum der Rechnung
  • Fortlaufende Rechnungsnummer 
  • Die UID-Nummer der Leistungserbringerin, des Leistungserbringers
  • Bei Rechnungen über 10.000 Euro auch die UID-Nummer der Leistungsempfängerin, des Leistungsempfängers

Kleinbetragsrechnungen
Bei Rechnungen bis 400 Euro Gesamtbetrag (also inklusive Umsatzsteuer) kann Name und Anschrift der Leistungsempfängerin, des Leistungsempfängers sowie die Angabe des Steuerbetrags entfallen, es genügt, wenn neben dem Bruttobetrag der Steuersatz angeführt ist.

Elektronische Rechnungen
Auch Rechnungen, die per E-Mail versendet oder als Web-Download zur Verfügung gestellt werden, berechtigen zum Vorsteuerabzug. Sie müssen keine elektronische Signatur enthalten.