Sozialversicherung nach dem Allgemeinen Versicherungsgesetz (ASVG)


Folgende Personengruppen sind nach dem ASVG grundsätzlich pflichtversichert (voll- oder teilversichert):

  • ArbeitnehmerInnen
  • Geringfügig Beschäftigte (nur unfallversichert)
  • Freie DienstnehmerInnen
  • HeimarbeiterInnen
  • Im Betrieb der Eltern (Großeltern, Wahl- oder Stiefeltern) beschäftigte Kinder, auch wenn diese für ihre Tätigkeit kein Entgelt bekommen
  • Vorstandsmitglieder und geschäftsführende GesellschafterInnen einer Aktiengesellschaft (AG)
  • Geschäftsführende GesellschafterInnen einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GesmbH)

ArbeitnehmerInnen / DienstnehmerInnen / Angestellte

Echte Dienstverträge/Angestelltenverträge/Arbeitsverträge unterliegen der Sozialversicherungspflicht nach dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG), wenn das monatliche Entgelt über der geltenden Geringfügigkeitsgrenze liegt.

Die Geringfügigkeitsgrenze für das Jahr 2017 beträgt 425,70 Euro pro Monat. Die zuvor bestehende Möglichkeit einer täglichen Bemessungsgrenze wurde mit Ende 2016 abgeschafft.

ArbeitnehmerInnen/DienstnehmerInnen sind von der Dienstgeberin, vom Dienstgeber bei der zuständigen Sozialversicherungskasse anzumelden. Das sind zumeist die zuständigen Gebietskrankenkassen (GKK), ggfs. die Versicherungsanstalt für Beamte BVA. Die Dienstgeberin, der Dienstgeber muss ein Lohnkonto führen, die Sozialversicherungsbeiträge monatlich berechnen und an die Sozialversicherungskasse abliefern. Die ASVG Versicherung umfasst Kranken-, Pensions-, Unfallversicherung und den Zugang zur Arbeitslosenversicherung.

Beitragshöhe 2017

DienstnehmerInnen zahlen einen Beitrag von 17,12 % (Dienstnehmerbeitrag) des Bruttogehalts. DienstgeberInnen tragen 20,63 (Dienstgeberbeitrag) bei. Dazu kommt ein Beitrag von 1,53 % für die allgemeine Abfertigung Neu.

Gut zu wissen

Das österreichische System unselbstständiger Beschäftigungsverhältnisse sieht zur Auszahlung von zwölf Monatsgehältern pro Jahr zusätzlich zweimal jährlich Sonderzahlungen in der Höhe eines weiteren Monatsgehaltes vor (13. und 14. Monatsgehalt). Diese zumeist im Juni und November ausgezahlten Sonderleistungen werden geringer besteuert – der Nettobetrag daraus ist also höher als ein entsprechendes ‚normales‘ Gehalt. Bei zeitlich begrenzten Arbeitsverhältnissen müssen diese Sonderzahlungen anteilig berücksichtigt werden.

Freie DienstnehmerInnen

Auch Freie Dienstverträge unterliegen der Sozialversicherungspflicht nach ASVG, wenn das monatliche Entgelt über der geltenden Geringfügigkeitsgrenze liegt.

Die Geringfügigkeitsgrenze für das Jahr 2017 beträgt 425,70 Euro pro Monat.

Freie DienstnehmerInnen sind pensions-, kranken- und unfallversichert. Sie haben seit 2008 Anspruch auf Geldleistungen aus der Krankenversicherung (Wochengeld, Krankengeld) nach den gleichen Regeln wie für echte DienstnehmerInnen. Freie DienstnehmerInnen sind seit 2008 auch einbezogen in die Arbeitslosenversicherung und genießen Insolvenzausfallschutz.

Die Dienstgeberin, der Dienstgeber ist verpflichtet, jeden freien Dienstvertrag sofort mit Beginn der Tätigkeit bei der jeweiligen Gebietskrankenkasse zu melden. Diese Meldepflicht besteht auch für geringfügige freie Dienstverträge.

Achtung

Freie DienstnehmerInnen haben jedoch keinen Anspruch auf Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall oder auf Urlaubsgeld!

Beitragshöhe

Freie DienstnehmerInnen zahlen 17,12% (Dienstnehmerbeitrag) , die DienstgeberInnen 20,63 % (Dienstgeberbeitrag) der Beitragsgrundlage. Die Dienstgeberin, der Dienstgeber hat die Dienstgeber- und Dienstnehmerbeiträge an die Gebietskrankenkasse abzuführen.

Für freie DienstnehmerInnen ist ebenfalls ein Vorsorgebeitrag als ‚Abfertigung-Neu‘ in der Höhe von 1,53 % des Entgelts zu entrichten.

Geringfügig Beschäftigte

Geringfügig beschäftigt sind Personen, die aus ihrem (freien) Dienstvertrag ein Einkommen erzielen, das die Geringfügigkeitsgrenze von 425,70 Euro (2017) monatlich nicht übersteigt. Bis zu dieser Grenze bleiben Einkünfte aus einem echten oder einem freien Dienstverhältnis pflichtversicherungsfrei, wenn daneben kein weiteres Dienstverhältnis besteht.

Bei der Beurteilung der Geringfügigkeit sind die DienstnehmerInnen- und die DienstgeberInnenseite getrennt zu betrachten.

Geringfügige Beschäftigung DienstnehmerIn

Bezieht eine Dienstnehmerin, ein Dienstnehmer Einkünfte von mehreren DienstgeberInnen und die Summe der Einkünfte überschreitet die Geringfügigkeitsgrenze von 425,70 Euro (2017), liegt eine Versicherungspflicht in der Kranken- und Pensionsversicherung vor. In diesem Fall werden am Jahresende der Dienstnehmerin, dem Dienstnehmer die Sozialversicherungsbeiträge von der GKK vorgeschrieben.

Achtung

Sozialversicherungspflicht tritt auch ein, wenn jemand neben einem aufrechten Dienstverhältnis mit voller Versicherungspflicht in einem weiteren geringfügigen Beschäftigungsverhältnis z.B. 200 Euro verdient. Die 200 Euro sind dann voll versicherungspflichtig.

Beispiel

Eine Tänzerin ist in einem Ensemble ganzjährig angestellt mit einem Bruttogehalt von 2.500 Euro monatlich. Daneben unterrichtet sie an einer Volkshochschule Tanz für Kinder und erhält dafür monatlich 250 Euro. Diese sind voll versicherungspflichtig.

Freiwillige Selbstversicherung

Für DienstnehmerInnen, deren Einkommen die Geringfügigkeitsgrenze von 425,70 Euro (2017) im Monat nicht überschreitet, besteht die Möglichkeit der freiwilligen Selbstversicherung. Hierfür ist ein eigener Antrag notwendig.

Rechtsgrundlage: § 19a ASVG

Beitragshöhe

Der monatliche Beitrag für freiwillig Selbstversicherte in der Kranken-und Pensionsversicherung gemäß § 19a ASVG beträgt  60,09 Euro im Jahr 2017- für Studierende beträgt er 56,74 Euro.

Beispiel

Eine Sängerin hat von einem größeren Projekt Rücklagen und unterrichtet ein Semester lediglich einen Kurs Stimmbildung mit je drei Stunden pro Woche an einer Musikschule. Sie ist geringfügig angestellt und erhält monatlich 330 Euro. Sie kann zu den oben genannten günstigen Konditionen freiwillig eine Kranken- und Pensionsversicherung abschließen. Ihre Kinder sind als Angehörige gegebenenfalls mit in diese freiwillige Versicherung eingeschlossen.

Geringfügige Beschäftigung DienstgeberIn

Unabhängig von der Höhe des Entgelts müssen alle DienstnehmerInnen (also auch die geringfügig Beschäftigten) bei der Sozialversicherung angemeldet werden. Es muss für alle ein Lohnkonto geführt werden. Für geringfügig beschäftigte MitarbeiterInnen zahlen DienstgeberInnen lediglich den Unfallversicherungsbeitrag. Überschreitet die Lohnsumme aller geringfügig beschäftigten Personen jedoch das 1 ½ fache der Geringfügigkeitsgrenze (das entspricht 2017 einem Betrag von 638,55 Euro), muss die Dienstgeberin, der Dienstgeber einen pauschalen Beitrag in Höhe von 16,4 % der Summe aller geringfügigen Entgelte entrichten, ohne dass hierfür ein zusätzlicher Versicherungsschutz für die DienstnehmerInnen entsteht.

Rezeptgebührenbefreiung

Bei einer Gebietskrankenkasse (GKK) Versicherte können sich von Rezeptgebühren befreien lassen, wenn sie ein geringes Einkommen haben. Ein Antrag an die zuständige GKK ist Voraussetzung für eine Befreiung.

Weiterführende Information:

Österreichische Sozialversicherung

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger

Informationen bei der jeweiligen Gebietskrankenkasse, etwa der Wiener GGK:

Infobroschüre Kulturrat Österreich: Selbstständig-Unselbstständig-Erwerbslos

Rechtsgrundlagen

Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG)

Gewerbliches Sozialversicherungsgesetz (GSVG)

Freiberufliches Sozialversicherungsgesetz (FSVG)

Bauern-Sozialversicherungsgesetz (BSVG)

Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsgesetz (B-KUVG)

Allgemeines Pensionsgesetz (APG)

Sozialversicherungen Übersicht

Burgenländische Gebietskrankenkasse BGKK

Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter BVA

Kärntner Gebietskrankenkasse KGKK

Niederösterreichische Gebietskrankenkasse NÖGKK

Oberösterreichische Gebietskrankenkasse OÖGKK

Salzburger Gebietskrankenkasse SGKK

Steiermärkische Gebietskrankenkasse STGKK

Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft SVA

Sozialversicherungsanstalt der Bauern SVB

Tiroler Gebietskrankenkasse TGKK

Vorarlberger Gebietskrankenkasse VGKK

Wiener Gebietskrankenkasse WGKK