Sozialversicherung in Österreich


Wer in Österreich lebt und/oder arbeitet und bestimmte Einkommensgrenzen überschreitet, unterliegt einer Pflichtversicherung im österreichischen Sozialversicherungssystem. Darüber hinaus bestehen Versicherungsoptionen zu besonderen Konditionen, etwa für Studierende, Mitversicherungsmöglichkeiten für Angehörige sowie die Option einer freiwilligen Selbstversicherung z.B. für Geringverdienende.

Das österreichische System der Sozialversicherung umfasst:

Krankenversicherung
Unfallversicherung
Pensionsversicherung
Arbeitslosenversicherung

Wenn keine Einbindung in das System der Sozialversicherung gegeben ist, besteht in Österreich unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit der Gewährung von Sozialleistungen in Form einer Bedarfsorientierten Mindestsicherung.

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Pflichtversicherung

Grundsätzlich wird in Österreich mit der Art der Tätigkeit die zuständige Sozialversicherung festgelegt. Das heißt: Die Versicherung ist nicht frei wählbar, sondern die Art der Tätigkeit bestimmt das Versicherungsverhältnis.

Dabei wird unterschieden in eine Pflichtversicherung nach dem Allgemeinen Versicherungsgesetz (ASVG) für Anstellungen und eine Pflichtversicherung nach dem Gewerblichen Versicherungsgesetz (GSVG) für selbstständige Tätigkeiten. Im Zuge einer grundlegenden Novellierung der Gesetzeslage im Jahr 2000 wurden dabei sog. Neue Selbstständige umfassend in einen verpflichtenden Versicherungsschutz eingebunden. Durch die Organisationsform des österreichischen Sozialversicherungssystems wird häufig eine gleichzeitige Versicherungspflicht bei verschiedenen Trägern notwendig, es entsteht eine Mehrfachversicherung.

  • Für selbstständige Tätigkeiten nach dem gewerblichenSozialversicherungsgesetz (GSVG) ist die Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft (SVA)zuständig. Neben Gewerbetreibenden sind hier seit dem Jahr 2000 sog. Neue Selbstständige und bestimmte FreiberuflerInnen eingeschlossen. Viele Kunstschaffende arbeiten als Neue Selbstständige.
  • Für unselbstständige Beschäftigungsverhältnisse bei öffentlichen Körperschaften auf Bundes- und Landesebene gilt die Versicherung öffentlich Bediensteter (BVA)

  • Für unselbstständige Beschäftigungsverhältnisse bei regionalen Körperschaften oder privatrechtlichen Arbeitgebern haben die Gebietskrankenkassen die Zuständigkeit. Sie sind regional in jedem Bundesland als autonome Körperschaften organsiert, d.h. eine Arbeit in verschiedenen Bundesländern in Österreich bedeutet ggfs. auch eine verpflichtende Zugehörigkeit zu verschiedenen Gebietskrankenkassen im jeweiligen Bundesland. Hier eine Übersicht.

  • Für besondere Freiberufe wie u.a. ÄrztInnen, ArchitektInnen, RechtsanwältInnen etc. liegen eigene kammerrechtliche Vereinbarungen und ein eigenes Gesetz vor. 

  • Darüber hinaus besteht eine gesonderte Versicherungsanstalt für Bauern (SVB).

  • Zusätzlich existiert in Österreich eine Anzahl eigener Betriebsversicherungssysteme, etwa bei den Versicherungsanstalten, der Bahn ÖBB und dem Öffentlichen Rundfunk ORF.

Das Sozialversicherungssystem der Gewerblichen Wirtschaft (GSVG) und die Pflichtversicherung nach dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG) sind grundsätzlich miteinander kompatibel, in der Praxis ergeben sich jedoch häufig Probleme in der Vereinbarkeit. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Bezug von Arbeitslosengeld ergeben sich Problemlagen, die individuellen Beratungsbedarf notwendig machen, etwa durch nachträgliche Zuschreibungen, Nachberechnungen, praktische Rückforderungen etc. .

Achtung

Eine Person kann im betreffenden Jahr kein Arbeitslosengeld beziehen, wenn eine Pflichtversicherung in der Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft SVA besteht – eine Ausnahme bildet unter bestimmten Voraussetzungen das System der Ruhendmeldung.

Freiwillige Selbstversicherung

Bezieht eine Arbeitnehmerin, ein Arbeitnehmer ein Entgelt unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze, besteht eine verpflichtende Unfallversicherung, jedoch keine Pflichtversicherung in der Kranken- und Pensionsversicherung. Daher ist bei geringfügiger Beschäftigung der Abschluss einer freiwilligen Selbstversicherung zu empfehlen.  Eine freiwillige Selbstversicherung ist sowohl bei der Gebietskrankenkasse (GKK) als auch bei der Versicherungsanstalt für selbstständig Versicherte (SVA) möglich.

Beispiel Mehrfachversicherung

Eine Theaterschaffende arbeitet in Projekten der freien Szene. Für ein Projekt in Wien wird sie als Schauspielerin für sechs Wochen angestellt und ist in dieser Zeit verpflichtend bei der Wiener Gebietskrankenkasse WGKK versichert. Gleichzeitig lehrt sie in drei Kursen im Sommersemester Sprechtechnik an der Universität für Musik und Darstellende Kunst. Hierfür wird sie von der Universität bei der Beamten Versicherungsanstalt BVA angemeldet, denn es handelt sich um eine Institution des Bundes. Darüber hinaus hat sie regelmäßig Jobs als Sprecherin beim Österreichischen Rundfunk ORF und wird dort tageweise angestellt. Je nach Vertragsgestaltung ist hier wieder die Beamtenversicherungsanstalt BVA oder aber die Wiener Gebietskrankenkasse WGKK zuständig. Nun kommen Einkünfte aus selbstständiger künstlerischer Arbeit für eine Regiearbeit in der freien Szene hinzu, für die sie als Regisseurin ein Honorar erhält. Wenn diese Einkünfte die Jahresgeringfügigkeitsgrenze von 5.108,40 Euro (2017) überschreiten, etwa, weil noch selbstständige Einnahmen aus einem Werbespot dazukommen, wird im betreffenden Jahr zusätzlich eine Pflichtversicherung in der Gewerblichen Sozialversicherung (SVA) notwendig. Damit hat die Theaterschaffende drei aufrechte Versicherungsverhältnisse.