Das Publikum


In Österreich bieten sich für Musikschaffende grundsätzlich durchaus positive Bedingungen, was das Interesse an der Musik im Allgemeinen betrifft. So nennt die Bevölkerung als drittliebste Freizeitbeschäftigung (nach dem Fernsehen natürlich und überraschenderweise auch dem Lesen) das Musikhören. Weniger positiv ist, dass es um das „Musik nebenbei hören“ geht. Das aufmerksame Musikhören rangiert mit fast 20 % der Bevölkerung, die das täglich tun, trotzdem noch weit vor der Wahrnehmung anderer Kunstformen wie z.B. Theater oder Kino.

Sehr spannend wird es bei der Frage, welche musikalischen Stilfelder der österreichischen Bevölkerung gefallen. In der hier zitierten Studie werden drei Abstufungen des Gefallens und drei Abstufungen des Nicht-Gefallens unterschieden.

Es dominieren die sogenannten Oldies (Fachausdruck: Adult Contemporary) mit 80 % Gefallen. Wer in die Liga der Oldies aufsteigen will, muss es zuerst allerdings meist in die aktuelle Hitparaden-Musik geschafft haben (Fachausdruck: Contemporary Hit Radio), hier stoßen wir noch auf knapp 60 % Gefallen.

Es folgt die Klassik mit 50 % Zustimmung, gleichauf mit dem Rock abseits der Hitparaden (Album Oriented Rock, hierher gehören auch Singer/Songwriter, Alternative und Indie-Rock u.ä.). Der Schlager bzw. die Volkstümlichen Musik gefällt 47 % der Bevölkerung. Der Jazz wird von 41 % goutiert, ebenfalls die Weltmusik. Blasmusik und Hip-Hip/Black Music übersteigen knapp die 30%-Grenze, gefolgt vom Techno/House mit knapp 20 % und zeitgenössischer Kunstmusik bzw. Neue Musik mit 13 %. Letztere ist allerdings fast der Hälfte der Bevölkerung überhaupt nicht bekannt.

Bei den echten Fans hingegen, also solchen, die spontan gefragt ein Stilfeld als Lieblingsmusik bezeichnen, liegt die volkstümliche Musik bzw. der Schlager mit 17,6 % AnhängerInnen vorne, gefolgt vom Rock abseits der Hitparaden mit 15 %, den Oldies mit 10,2 % und der Klassik mit 10 %. Pop und Hitparade folgen erst danach mit 8,5 %. Immerhin bezeichnen sich 2,4 % als Austropop-Fans.2 Die größte Gruppe, nämlich 17,9 %, hat keine Lieblingsmusik.



Das Publikum: Michael Huber, Wozu Musik. Musikalische Verhaltensweisen, Vorlieben und Einstellungen der Österreicher/innen, Wien, mdw Institut für Musiksoziologie 2010, S. 27