Freie Szene in Wien



Standen in der Entwicklung der Freien Szene während der 1980er und 1990er Jahre die Opposition gegen die als nicht zeitgemäß empfundenen Inhalte der etablierten Großbühnen und aber auch das politische Interesse einer Erprobung anderer Lebens- und Verkehrsformen im Feld der Kunst im Vordergrund, so hat sich die Freie Szene in jüngerer Zeit vor allem mit neuen Formen und ästhetischen Positionen profiliert. Mit der so bezeichneten Wiener Theaterreform ab 2003 wurde versucht, u. a. auch mit der Möglichkeit mehrjähriger Förderungen verstärkt professionelle Arbeitsbedingungen für Freie Gruppen zu schaffen.

Nicht zuletzt mit der Gründung des Tanzquartiers Wien hat sich insbesondere in Wien eine vielfältige und international beachtete Tanz- und Performanceszene herausgebildet. Hierzu zählen u. a. Gruppen wie Liquid Loft gegründet und geleitet von Chris Haring, ChoregrafInnen wie Florentina Holzinger, Philipp GehmacherDoris UhlichSaskia HölblingSimon Mayer, Anne JurenPaul WenningerChristine GaiggWilli DornerElio GervasiIan KalerAmanda PiñaAlexander GottfarbGeorg Blaschke und Michikazu Matsune. Die KünstlerInneninitiative Im_Flieger bietet ein Experimentierfeld für Tanz, Performance und mediale Kunst.

Die Gruppe God’s Entertaiment an der Schnittstelle zwischen Performance, Happening, Visual-Art. Wichtige künstlerische Position in diesem Feld vertreten die PerformerInnen Amanda Piña, Akemi TakeyaDaniel Aschwanden, Gin Müller und Barbara Kraus und die Gruppe Superamas. MAD („Mixed Abled Dance & Performance) entwickelt inklusive Tanz- und Performancekunst für Menschen mit und ohne Behinderung.

 

Zeitgenössisches Musiktheater findet in Wien fast gänzlich in der Freien Szene statt. Wichtige Produzenten sind hier das Sirene Operntheater, die Neue Oper Wien und die Gruppe Netzzeit, die Wiener TaschenoperEchoraum und die Wiener Musiktheatertage, ein Zusammenschluss der Gruppen Zoon und Progetto Semiserio, sowie weitere im Zusammenschluss Freie Musiktheater Wien vertretene Gruppen.

Im Bereich Figuren- und Objekttheater haben das Schubert-Theater und das Kabinetttheater mit hoher künstlerischer Qualität auf sich aufmerksam gemacht. Die Gruppe schallundrauch agency und das interdisplinäre Kollektiv Theater Ansicht wenden sich mit Theater bzw. Tanz und Performance für ein junges Publikum. Das Figurentheater Lilarum adressiert mit seinen Aufführung Kinder ab 3 Jahren.

Das theatercombinat unter der Leitung der Regisseurin Claudia Bosse betreibt mit seinen in immer neuen stadträumlichen Kontexten situierten Arbeiten Grundlagenforschung am theatralischen Ausdruck. Der Regisseur Yosi Wanunu reflektiert in den Performances von Toxic Dreams zumeist in englischer Sprache den Erfahrungsraum einer medial geprägten Populärkultur.

Mit der Brunnenpassage, einem offenen KunstSozialRaum im 16. Wiener Gemeindebezirk, und den Arbeiten der diverCITYLAB Akademie der Regisseurin Aslı Kışlal und der Regisseurin Emel Heinreich von Cocon Theater beginnen die Wiener Theaterszene, sich den Anforderungen einer modernen, von Migration geprägten gegenwärtigen Großstadt zu stellen.