Kunstuniversitäten


Unter 21 staatlich geförderten Universitäten Österreichs befinden sich sechs Kunstuniversitäten, darunter drei, die sich den Bildenden und Angewandten Künsten widmen. Traditionell werden die Kunstuniversitäten nach ihren historisch gewachsenen Hauptrichtungen kategorisiert und nicht nach ihrer Bedeutung in der zeitgenössischen Kunst. Auch wenn es sich dabei um vergleichsweise kleinere Institutionen handelt, genießen diese nicht nur aus traditionellen Gründen hohes internationales Ansehen - ablesbar auch daran, dass viele Studierende aus anderen europäischen Ländern oder aus Asien kommen. Jede Kunstuniversität hat ihr eigenes Profil, das sich im Studienangebot spiegelt.

Akademie der bildenden Künste Wien

Die älteste Kunstuniversität Österreichs basiert auf der Gründung der Academia für Malerei, Bildhauerei, Architektur, Perspektive und Fortifikation durch Kaiser Leopold I. im Jahr 1696. Zu den Besonderheiten der Akademie gehört, dass sie über eine eigene Gemäldegalerie und ein Kupferstichkabinett verfügt – zwei der bedeutendsten Sammlungen des Landes. Heute gliedert sich die Akademie in sechs Institute: für Bildende Kunst, für Kunst und Kulturwissenschaften, für Naturwissenschaften und Technologien in der Kunst, für Künstlerisches Lehramt, für Kunst und Architektur sowie für Konservierung und Restaurierung. Die Studienangebote basieren auf einer Struktur, die Schnittstellen zwischen Theorie und Praxis sowie Inter- und Transdisziplinarität nahe legt. 2005 wurde ein Entwicklungsplan, der eine Neustrukturierung der Studien auf ein dreistufiges Bakkalaureat/Magister/Doktorat-System vorsieht, vom Universitätsrat genehmigt. Seit 2011 wird die Akademie von Rektorin Eva Blimlinger und den Vizerektorinnen Karin Riegler und Andrea B. Braidt erstmals von einem weiblichen Team geleitet. Die Akademie der bildenden Künste ist zudem die einzige österreichische Universität, an der in allen Personalkategorien und Leitungsebenen Frauen mit mindestens 50 % vertreten sind. Zahl der Studierenden: rund 1.400.

Universität für angewandte Kunst Wien

Ebenfalls im Zentrum Wiens wurde 1867 mit der k. k. Kunstgewerbeschule die Vorgängerinstitution der „Angewandten“ gegründet. Sie war an das Museum für Kunst und Industrie (heute: MAK) angegliedert. Die Universität gliedert sich in ein Zentrum und sechs Institute: für Architektur, für Bildende und Mediale Kunst, für Design, für Konservierung und Restaurierung, für Kunstwissenschaften, -pädagogik und –vermittlung, für Kunst und Technologie sowie für Kunst und Wissenstransfer. Es werden Bachelor/Diplom/Masterstudien sowie Lehramts- und Doktoratsstudien angeboten. Künstlerische Disziplinen werden durch eine große Zahl von wissenschaftlichen Fächern ergänzt. Das Grundkonzept der Universität als Stätte der kritischen Reflexion des eigenen Denken und Tuns wird an diesem Haus hoch gehalten. Die „Angewandte“ will Ort des offenen Disputs und Entwicklungslabor künstlerischer Visionen, die in der Zukunft ihre Wirkung entfalten, sein. In den 1980er- und 1990er-Jahren prägten die Rektoren Oswald Oberhuber und Rudolf Burger die Linie des Hauses, seit 2000 leitet Gerald Bast die Universität u.a. mit dem Ziel, neue Studiengänge zu etablieren. Zahl der Studierenden: rund 2.000.

Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz

(Kunstuniversität Linz) 1973 wurde die 1947 gegründete, private Kunstschule der Stadt Linz zur Hochschule und schließlich 1998 zur Universität erhoben. Die Gründung war Ausdruck der kulturpolitischen Abgrenzung zur NS-Zeit, Grundwerte wie Freiheit von Kunst und Forschung sowie das Bekenntnis zu zeitgenössischem Kunstschaffen werden hier betont und bilden die Basis für das Selbstverständnis der Universität. Drei Säulen – Intermedialität, Raumstrategien, Künstlerisch-wissenschaftliche Forschung – tragen zur Profilstärkung bei. Die Kunstuniversität Linz gliedert sich heute in zwei Zentren und vier Institute: Zentrum DOM (Design-Organisation-Medien), Zentrum für Material und Umwelttechnologie sowie Institut für Bildende Kunst und Kulturwissenschaften, für Raum und Design, für Medien sowie für Kunst und Gestaltung. Neben Bachelor-/Master-/Diplomstudiengängen werden Lehramtsstudien angeboten. Ein Doktoratsstudium für Philosophie und Naturwissenschaften wurde eingerichtet. Seit 2000 leitet Rektor Reinhard Kannonier die Universität, die etwa 1.000 Studierende zählt.