Bildende Kunst von Caro Wiesauer

Kunstgeschichte Fast Forward: Von Waldmüller bis Valie Export


Status Quo

Bildende KünstlerInnen reüssieren heutzutage am internationalen Ausstellungssektor und auch am Kunstmarkt: Gegenwartskunst der Malerin und Medienkünstlerin Maria Lassnig, des dreidimensionalen Gestalters Franz West, der Medien- und Performance-Künstlerin Valie Export, des Übermalers Arnulf Rainer oder des One-Minute-Skulpteurs Erwin Wurm wird hoch geschätzt und auch gehandelt. Das war nicht immer so. Oesterreich wurde zwar als Kulturnation gefeiert, doch war damit in erster Linie die Theater- und Musiklandschaft gemeint. Bildende Kunst hatte lange Zeit weder im Inland einen hohen Stellenwert, noch waren österreichische Kunstschaffende im Ausland bekannt. Viele nahmen deshalb den Umweg über das Ausland, nicht nur aus politischen Gründen zur Zeit des Nationalsozialismus.

Die ersten Häuser, die aktuelle Kunst zeigten, waren das 20er-Haus (ab 1962) und das Palais Liechtenstein (ab 1979). Sehr kurz gesagt gingen Ende der 1970er Jahre diese Bestände (Sammlung Ludwig und Hahn) ins Mumok über. Das heute im Museumsquartier beheimatete Museum verfügt über Sammlungsblöcke, die die Klassische Moderne, den Aktionismus, die Avantgarde der 1960er und 1970er Jahre und die aktuelle Gegenwartskunst umfassen. Die meisten Galerien mit zeitgenössischem Schwerpunkt wurden in Österreich erst in den 1980er Jahren gegründet. Als Anfang der 1990er Jahre der Container von Adolf Krischanitz am Karlsplatz als Kunsthalle eröffnet wurde und für wilde Debatten sorgte, hatte man in anderen Ländern längst ähnliche Ausstellungshäuser für zeitgenössische Kunst etabliert.

Rückschau

Nach Biedermeier (Ferdinand Georg Waldmüller) und Historismus (Hans Makart) erreichte die Malerei in Österreich um 1900 einen Höhepunkt: Wien war das Zentrum des Jugendstils, was sich u.a. in der Gründung der Secession (siehe Vereinigungen) manifestierte. Neben dem heute hoch gehandelten Gustav Klimt seien hier auch Koloman Moser und Josef Hoffmann, die

Mitbegründer der Wiener Werkstätte, genannt. Andere Vertreter der Wiener Moderne waren die heute ebenfalls sehr verehrten Künstler Oskar Kokoschka und Egon Schiele, die sich dem Expressionismus zuwandten, sowie der Einzelkämpfer Albin Egger-Lienz.

Nach 1945 hatte die Bildende Kunst zunächst einmal die repressive Kulturpolitik der NS-Zeit zu verdauen. Es galt auch, die versäumte internationale Moderne aufzuholen. Die heranwachsende Künstlergeneration an der Wiener Akademie hielt sich am ehesten an Lehrmeister wie Herbert Boeckl, Albert Paris Gütersloh und Fritz Wotruba. 1947 wurde der berühmte Art Club als freie, antifaschistische Organisation von Künstlern verschiedener Stilrichtungen ins Leben gerufen. Wolfgang Hutter, Anton Lehmden und Ernst Fuchs gründeten gemeinsam mit Arik Brauer und Rudolf Hausner u.a. - in Anlehnung an den Surrealismus - die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Ein nächster Schritt wurde 1959 von Ernst Fuchs, Friedensrich Hundertwasser und Arnulf Rainer mit der Gründung des Pintariums gesetzt; trotz „grundverschiedener Pinsel- und Geistesrichtungen“ ging es den Beteiligten um den Grundsatz der individuellen Autonomie und um die Abwendung von der Akademie.

Das Informel („Prinzip der Formlosigkeit“), dessen Einfluss z.B. Maria Lassnig und Arnulf Rainer aus Paris mitbrachten, entwickelte sich auch in Österreich zu einer dominierenden Kunstrichtung der Nachkriegs-Avantgarde. Förderer Monsignore Otto Mauer scharte Künstler wie Josef Mikl, Markus Prachensky Wolfgang Hollegha und Arnulf Rainer um sich und stellte ihre Werke in der Galerie nächst St. Stephan (ab 1954) aus. Der Wiener Aktionismus der 1960er Jahre schließlich sollte radikal alle Genre-Grenzen sprengen. An der Schnittstelle zwischen Malerei und Theater entwickelte sich die Kunst, die in Aktionen und Ritualen weder Skandale noch Schmerzen scheute. Wichtige Vertreter: Günter Brus, Otto Muehl, Rudolf Schwarzkogler und Hermann Nitsch (Orgien-Mysterien-Theater).

Eine Brücke vom Aktionismus über die Konzeptkunst ins heutige, pluralistische Kunstschaffen kann man anhand der Biografie von Valie Export schlagen: Das Werk der Medien-Künstlerin hat zwar Wurzeln im Aktionismus, ihre Arbeiten unterscheiden sich aber nicht nur in feministischer Hinsicht, sondern auch ästhetisch, inhaltlich und formal (z.B. „Tapp und Tastkino“ mit Peter Weibel). Auch ihre frühe Hinwendung zur Fotografie und zum Film sowie ihre genreübergreifenden Performances haben folgende KünstlerInnen-Generationen maßgeblich beeinflusst.

Frauen und die Kunst

Weniger als 3 Prozent der Künstler in der Moderne-Abteilung des Metropolitan sind weiblich. Aber 83 Prozent der Nackten sind weiblich. Das ergab eine Zählung der „Guerilla Girls“ im Jahr 2004 bei der Biennale Venedig. Die Kunstgeschichte ist auch in Österreich bis weit in die Nachkriegszeit von Männern geprägt. Die Frau war – im Bild – Madonna oder Verführerin. Und die Kunstkritik war männlich. Auch die Frauen im Kreis der Wiener Aktionisten waren meist Musen, Objekte, höchstens Akteurinnen. Heute sind Künstlerinnen mit selbstbestimmtem Auftreten keine Seltenheit. Man denke an die Künstlerinnen Ona B, Birgit Jürgenssen, Evelyne Egerer und Ingeborg Strobl, die sich Ende der 1980er Jahre zur Gruppe Die Damen zusammenschlossen. Oder Valie Export. Oder Elke Krystufek: Sie zeigte bei der Biennale in Venedig nicht wie üblich Selbstporträts, sondern Porträts von nackten Männern und drehte damit den Spieß der Kunstgeschichte auf ironische Weise um. Auch in den Führungsriegen der Museen und Galerien sind Frauen heute angekommen. Bleibt noch die Sache mit dem Geld: Kunst von Frauen wird zwar mittlerweile in einem ausgewogenem Verhältnis geschätzt und ausgestellt – am Kunstmarkt aber erzielt sie nach wie vor andere Preise als die von Männern.

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