Unterwegs außerhalb der EU


Für viele außereuropäische Länder besteht für österreichische Staatsangehörige eine Visumpflicht. Für die Ausübung einer Tätigkeit ist ein entsprechender Aufenthaltstitel notwendig. Zur Einreise und für den Aufenthalt in Österreich benötigen KünstlerInnen, die nicht EU-BürgerInnen sind, grundsätzlich einen Aufenthaltstitel. Die Bedingungen sind geregelt im EU-Visakodex, im Übereinkommen zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen, im Schengener Grenzkodex  und im Ausländerbeschäftigungsgesetz.

KünstlerInnen aus Österreich reisen zur künstlerischen Tätigkeit ins außereuropäische Ausland

Reisen österreichische KünstlerInnen in ein Land, das kein Mitgliedsstaat der Europäischen Union ist, benötigen sie zumeist ein Visum um dort künstlerisch tätig zu sein. Die einzelnen Voraussetzungen und Verfahren unterscheiden sich von Land zu Land, daher ist eine ausführliche Abklärung bei der zuständigen Auslandsvertretung (Botschaft/Konsulat) des jeweiligen Landes unumgänglich.

Das Spektrum der Visaverfahren und der erforderlichen vorzulegenden Dokumente ist weltweit sehr unterschiedlich. Unter den allgemeinen Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts erfährt man u.a. Visabestimmungen für die jeweiligen Länder.

Österreich unterhält direkte diplomatische Verbindungen zu zahlreichen Ländern, die mit Botschaften und Konsulaten vertreten sind. Es ist ratsam, sich an diese frühzeitig zu wenden, da das Visa-Verfahren oft einige Wochen oder Monate in Anspruch nimmt. Oft sind auf deren Websites sämtliche Informationen, Preise und Modalitäten zum Visaverfahren (inkl. Arbeitsbewilligung) zu finden.

Beispiel

Eine Musikerin aus Wien plant eine Tournee in den USA. In einem Zeitraum von zwei Monaten wird sie an verschiedenen Orten auftreten. Sie benötigt ein P-Visum. Die Details hierzu findet sie auf der Website der Botschaft der Vereinigten Staaten.

KünstlerInnen aus Ländern außerhalb der EU reisen zur künstlerischen Tätigkeit nach Österreich

Ausländische KünstlerInnen, die in Österreich einer künstlerischen Tätigkeit nachgehen wollen, benötigen grundsätzlich eine Beschäftigungsbewilligung, wenn die Tätigkeit im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses oder eines arbeitnehmerähnlichen Werkvertrages (z.B.: sog. Freier Dienstvertrag) erfolgt. KünstlerInnen, die selbstständig im Rahmen eines echten Werkvertrages tätig werden, brauchen keine Beschäftigungsbewilligung. Die rechtliche Grundlage ist das Ausländerbeschäftigungsgesetz.

Dem Ausländerbeschäftigungsgesetz unterliegen nicht: 

  • EU-BürgerInnen, EWR-BürgerInnen, Schweizer StaatsbürgerInnen sowie deren
  • aufenthaltsberechtigte drittstaatsangehörige Ehegatten und
  • aufenthaltsberechtigte Kinder, die noch nicht 21 Jahre alt sind oder denen darüber hinaus Unterhalt gewährt wird.

Detaillierte Information sind auf der Website http://www.artist-mobility.at verfügbar.

Selbstständige künstlerische Erwerbstätigkeit (Aufenthaltsbewilligung-Künstler)

Selbstständige KünstlerInnen benötigen zwar keine Beschäftigungsbewilligung, jedoch ist ein Visum (Erwerbstätigkeit bis zu sechs Monaten) oder einer Aufenthaltsbewilligung (Erwerbstätigkeit von mehr als sechs Monaten) nötig. Bei der Antragstellung ist die selbstständige, künstlerische Tätigkeit glaubhaft nachzuweisen.

Folgende spezielle Voraussetzungen müssen für ein Visum oder eine Aufenthaltsbewilligung-Künstler erfüllt werden:

  • Nachweis über die künstlerische Tätigkeit Die Person muss eine Tätigkeit ausüben bzw. beabsichtigen auszuüben, die überwiegend durch Aufgaben künstlerischer Gestaltung bestimmt ist. Es kommt nicht darauf an, ob die Person KünstlerIn ist, sondern ob die Tätigkeit künstlerisch ist. Bei einigen Berufsgruppen wird generell von einer künstlerischen Tätigkeit ausgegangen: Zum Beispiel: ArtistIn, MusikerIn, FotografIn, ModeschöpferIn, IntendantIn und verwandte Berufe (z.B. EventmanagerIn), TänzerIn (sofern es sich nicht um eine rein sportliche Ausübung dieser Tätigkeit handelt oder um Go-Go-Girls bzw. Table-Dancer) Zum Nachweis geeignete Dokumente: Nachweis über die künstlerische Ausbildung oder   Beschreibung der bisherigen künstlerischen Tätigkeit.
  • Gesicherter Lebensunterhalt durch künstlerische Tätigkeit Hierzu ist die Vorlage eines schriftlichen Vertrags über die künstlerische Tätigkeit, beispielsweise Verträge mit Galerien, Theatern oder Konzerthäusern nötig. Anhand dieser Verträge muss der gesicherte Unterhalt nachgewiesen werden. Gelingt der Nachweis über den gesicherten Lebensunterhalt durch diese Verträge oder durch Eigenmittel nicht, besteht für KünstlerInnen dennoch die Möglichkeit, ein Visum oder eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen, wenn durch eine Verpflichtungserklärung einer in Österreich ansässigen Person, Firma oder eines Vereins („EinladerIn“) die Übernahme aller Kosten gesichert erscheint.  Mit der Verpflichtungserklärung bestätigt die Einladerin, der Einlader die Übernahme sämtlicher Kosten, die dem öffentlichen Rechtsträger durch die Künstlerin, den Künstler entstehen könnten. Insbesondere handelt es sich hierbei um den Kostenersatz für medizinische Heilbehandlungen in öffentlichen Krankenanstalten (außer bei Vorliegen einer entsprechenden Krankenversicherung) und Kosten für das fremdenpolizeiliche Verfahren bei Nichtwiederausreise nach Ablauf des Visums oder der Aufenthaltsbewilligung.

Tipp

Für eine Aufenthaltsbewilligung-Künstler müssen KEINE Deutschkenntnisse bei Antragstellung nachgewiesen werden. Ebenso wenig sind KünstlerInnen, die über eine Aufenthaltsbewilligung-Künstler verfügen, zur Erfüllung der Integrationsvereinbarung verpflichtet. 

Tipp: Detaillierte Informationen zu Aufenthalts- und Visaregelungen sind auf der Website http://www.artist-mobility.at verfügbar.

Unselbstständige künstlerische Erwerbstätigkeit

Jede Beschäftigung ausländischer KünstlerInnen in einem Arbeitsverhältnis oder in einem arbeitnehmerähnlichen Verhältnis (z.B. als freie DienstnehmerInnen) unterliegt grundsätzlich der Bewilligungspflicht nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz (AuslBG). Die Beschäftigungsbewilligung berechtigt die Ausländerin, den Ausländer zur
Aufnahme einer genau definierten (Art, Dauer, Ort und ArbeitgeberIn) unselbstständigen Beschäftigung in Österreich bzw. berechtigt ArbeitgeberInnnen, die Ausländerin, den Ausländer für die genau definierte Tätigkeit anzustellen.

Ausnahmen für kurzweilige Auftritte

Für folgende Künstlergruppen gelten Sonderregeln: 

  • Konzert- oder BühnenkünstlerInnen,
  • Artistinnen, Artisten,
  • Film-, Rundfunk- und Fernsehschaffende sowie
  • MusikerInnen.

Solche ausländischen KünstlerInnen dürfen

  • entweder einen Tag
  • oder vier Wochen im Rahmen einer künstlerischen Gesamtproduktion

ohne Beschäftigungsbewilligung beschäftigt werden.

Zweck dieser Beschäftigung muss die Sicherung

  • eines Konzerts,
  • einer Veranstaltung,
  • einer Vorstellung,
  • einer laufenden Filmproduktion oder
  • einer Rundfunk- oder Fernseh-Livesendung

sein.

Jedoch ist die Beschäftigung der zuständigen regionalen Geschäftsstelle des Arbeitsmarktservice am Tag der Arbeitsaufnahme anzuzeigen (Anzeigepflicht).

Die Zeiträume für die bewilligungsfreie Beschäftigung gelten jeweils nur hinsichtlich einer einzelnen Arbeitgeberin, eines einzelnen Arbeitsgebers (VeranstalterInnen oder ProduzentInnen). Mehrere Beschäftigungen bei verschiedenen ArbeitgeberInnen sind nicht zusammenzurechnen.

Sind die Kunstschaffenden Staatsangehörige, die als Touristinnen, als Touristen zur visumsfreien Einreise berechtigt sind, benötigen sie für derartige Tätigkeiten kein Visum.

Tipp

Auf Basis dieser Bestimmungen können Kunstschaffende mehrere aufeinander folgende oder wenigstens in zeitlichem Zusammenhang stehende Beschäftigungen bei verschiedenen ArbeitgeberInnen in Österreich ausüben, ohne dass dadurch eine Bewilligungspflicht entsteht.

Beispiel

Ein indisches Filmteam soll 3 Wochen in Tirol eine Szene für einen Spielfilm drehen. Für alle Beteiligten (auch für das Supportpersonal, d.h. alle an der Gesamtproduktion mitwirkenden AusländerInnen) ist keine Beschäftigungsbewilligung, sondern nur eine Anzeige beim regionalen AMS erforderlich (laufende Filmproduktion). Da indische Staatsangehörige auch als TouristInnen ein Visum benötigen, muss bei der österreichischen Botschaft in Neu Delhi für alle beteiligten InderInnen ein Visum C beantragt werden.

Künstlerische Tätigkeiten bis sechs Monate

KünstlerInnen, die für einen längeren, aber sechs Monate nicht übersteigenden, Zeitraum in Österreich engagiert sind, brauchen eine Beschäftigungsbewilligung und ein Visum D (kroatische Staatsangehörige nur die Beschäftigungsbewilligung). ArbeitgeberInnen bzw. VeranstalterInnen müssen eine Sicherungsbescheinigung für sie beantragen, wenn sie nicht zur sichtvermerksfreien Einreise berechtigt sind. Diese muss bei einer österreichischen Botschaft im Ausland (jedoch nicht zwingend im Herkunftsland) ausgestellt werden. Für sichtvermerksfreie KünstlerInnen genügt die Beschäftigungsbewilligung von der Fremdenpolizeibehörde im Inland. Die Anträge sind bei der jeweiligen regionalen Geschäftsstelle des AMS einzubringen. Mit einer positiven Sicherungsbescheinigung bzw. Beschäftigungsbewilligung wird das Visum ausgestellt. Musste eine Sicherungsbescheinigung beantragt werden, so muss nach Erhalt des Visums von der ArbeitgeberIn oder VeranstalterIn noch die Beschäftigungsbewilligung beantragt werden, da die Sicherungsbescheinigung allein zur Arbeitsaufnahme nicht ausreicht. Dieser dritte und letzte Schritt ist bei sichtvermerkspflichtigen KünstlerInnen wichtig, weil sonst im Falle einer Kontrolle durch die Finanzpolizei Anzeige erstattet wird.

Künstlerische Tätigkeiten über sechs Monate

Ausländische KünstlerInnen, die länger als ein halbes Jahr in Österreich zu arbeiten beabsichtigen, benötigen eine Beschäftigungsbewilligung. Diese ist bei der örtlich zuständigen Aufenthaltsbehörde (Magistrat, Bezirkshauptmannschaft) zu beantragen und beinhaltet eine Arbeitsgenehmigung als KünstlerIn bei dem bzw. der im Antrag genannten VeranstalterIn oder ArbeitgeberIn. Der Antrag wird vom Arbeitsmarktservice geprüft und darf nur abgelehnt werden, wenn die Beeinträchtigung der öffentlichen Interessen unverhältnismäßig schwerer wiegt als die Beeinträchtigung der Freiheit der Kunst der Ausländerin, des Ausländers.

Eine Prüfung der Arbeitsmarktlage und einer etwaigen Überschreitung der Bundes- und Landeshöchstzahlen (= Höchstzahlen der im Inland beschäftigten AusländerInnen) findet daher nur sehr eingeschränkt im Rahmen der Interessenabwägung mit der Freiheit der Kunst der Ausländerin, des Ausländers statt. Überprüft wird jedoch, um welche Art der Beschäftigung (selbstständig oder unselbstständig) es sich handelt und ob die gebotene Entlohnung nicht unter jener von inländischen Künstlerinnen, Künstlern derselben Sparte liegt.

Zu beachten ist vor allem, dass durch die Versagung der Beschäftigungsbewilligung der Ausländerin, dem Ausländer eine zumutbare Ausübung der Kunst nicht unmöglich gemacht wird.

Dabei darf ein Urteil weder über den Wert der künstlerischen Tätigkeit, noch über die künstlerische Qualität der Künstlerin, des Künstlers gefällt werden.

Tipp

Detaillierte Informationen zu Aufenthalts- und Visaregelungen sind auf der Website http://www.artist-mobility.at verfügbar.